Paris – mit Höchstgeschwindigkeit

By fishtownblues

August 1976. Noch bevor Paris ganz erwacht, inspiziert der Filmemacher Claude Lelouch sein neuestes Spielzeug: eine kreisel-stabilisierte Kamera, die an die Stoßstange seines 6,9L Mercedes montiert ist. Dann startet er zu einer halsbrecherischen Fahrt hinauf zum Montmartre. Da er kein “permit” bekommen konnte, waren keine Straßen abgesperrt und der morgentliche Verkehr und erste Fußgänger waren unterwegs. Oben angekommen, läuft der Fahrer in die Arme einer schönen blonden Frau.

Der achtminütige Kurzfilm “C’était un rendezvous” erlangte Kultstatus, auch oder wegen seiner leichsinnigen Mißachtung aller Rücksichtnahme auf anderer Verkehrsteilnehmer (Höre ich da GTA oder Need for Speed?)

Hier das Google Video

(Mehr nach dem Sprung)

Lelouch wurde bei der ersten Vorführung des Films von der Polizei verhaftet und später wieder freigelassen.

Da nur wenige Kopien existierten, wuchsen die Spekulationen. Oftmals wurde behauptet, Lelouch (der ein bekannter Autonarr war) hätte sich nach seinem ersten Filmerfolg einen Ferrari 275 GTB gekauft und ein befreundeter Formel-1-Rennfahrer hätte am Steuer gesessen.

Lelouch hat erst vor wenigen Jahren sein Schweigen gebrochen: Er selbst saß damals am Steuer seines 6,9L Mercedes und hatte erst in Post-Production den Sound eines Ferrari 275 GTB unterlegt.

Der britische Dokumentarfilmer Richard Simons hat nach langen Verhandlungen mit Lelouchs Filmfirma die Rechte erhalten, um den Film auf DVD veröffentlichen zu könnnen.

B Hendriks hat auf seiner Webseite die Route, die das Auto im Google Video nimmt, parallel auf einer GoogleMaps-Karte verfolgt.

(Erläuterung Video starten und pausieren, bis der Film geladen ist, dann wieder auf Play und nach ca. 4 Sekunden Laufzeit auf den “Go”-Button drücken)

Interessante Fakten zu dem Film von IMDB:

Lelouch kam die Idee zu dem Film, nachdem er für einen anderen Film eine kreisel-stabilisierte Kamera gemietet hatte. Bei den Dreharbeiten blieb eine Filmrolle übrig, die er dann für “C’etat un rendezvous” verwendete.

Der Film ist 9 Minuten lang, weil das Magazin der Kamera nur für 10 Minuten Film fasste. Der Film ist in einer einzigen Einstellung gedreht.

Lelouch wurde verhaftet, nachdem der Film das erste Mal gezeigt wurde, später dann aber ohne Anklage wieder freigelassen.

Einige Enthusiasten haben berechnet, daß der Wagen im Film eine Strecke von 10,42 km zurücklegt. Umgerechnet auf die Fahrzeit ergibt das eine Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 76 km/h. Ihren Berechnungen nach soll Lelouch nicht schneller als 140 gefahren sein.

Wie Lelouch in einem “Making of” von 2006 verrät, war an der einzigen Stelle, wo er nicht sehen konnte, ob dort Querverkehr kommt, sein Assistent mit einem Sprechfunkgerät postiert. Nach den Dreharbeiten kam sein Assistent zu ihm, um sich zu entschuldigen, daß das Walky-Talky nicht funktioniert habe.

Die blonde Frau am Ende war die damalige Lebensgefährtin von Lelouch, Gunilla Karlzon.

 

Einen interessanten Artikel über den Film und seine Geschichte auf www.faz.net gibt es von Michael Althen.

Das Making of “C’etait un rendezvous” auf Google Video (leider nur Französisch)

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